Es wird Winter…

Es ist unvorstellbar, wie die Zeit vergeht. Es ist Anfang Juni, ich habe angefangen meine ersten Bewerbungen für die UNI loszuschicken, es sind wirklich nur noch etwas mehr als zwei Monate, dann fliege ich nach Deutschland. Und mir fällt auch auf, dass ich schon ganz schön lange nichts mehr von mir hören lassen habe. Je mehr ich mir ein eigenes Leben aufgebaut habe, mit eben nicht nur Arbeit, sondern auch anderen Aktivitäten, die den Alltag füllen, desto weniger Zeit bleibt, um zu schreiben..

Es wird Winter hier in Uruguay. Ja, stellt euch vor, auch in Südamerika gibt es Winter! Allerdings ein ganz anderer als in Deutschland. Gerade tagsüber, wenn die Sonne fröhlich scheint, könnte man denken, wir haben schon wieder Frühling. Dafür ist es aber nachts schon ziemlich kalt. Der gro20170531_153151ße Unterschied zum deutschen Winter ist, dass es draußen vergleichsweise nicht sooo kalt ist, dafür aber in den Häusern, da es in den meisten kein ordentliches Heizungssystem gibt. D.h. du gehst raus mit deinen zwei Jacken und ziehst eine dritte an, wenn du nach Hause kommst. Seit ein paar Tagen bin ich nun aber stolze Besitzerin eines Ölradiators in meinem Zimmer, d.h. in meinem Zimmer muss jetzt erstmal nicht mehr gefroren werden (was meiner Dauererkältung sicherlich gut tun wird).

Seit Anfang März, seit die Schule wieder angefangen hat, arbeiten wir im Club de Ninos wieder vor- und nachmittags (nachdem in der Sommerzeit nur in einem turno gearbeitet wurde). Dieses Jahr hat sich für mich einiges geän20170511_162756dert auf Arbeit, zum Positiven. Einfach aufgrund der Tatsache, dass ich von Anfang an mit in die Planung, was wir denn so alles mit den Kindern machen, einbezogen werden konnte. Auch wenn die Freiräume nicht sehr groß sind, weil ich nun einmal in einem sehr strukturierten Projekt bin, sind es doch deutlich mehr als in der ersten Hälfte meines Jahres. So konnte und kann ich nach wie vor Ideen vorschlagen und sie dann mit einer kleinen Gruppe verwirklichen. Auch das Verhältnis zu meinen Kollegen ist anders geworden, viel persönlicher. So sitze ich manchmal zum Beispiel, während die Kinder einen Film schauen, stundenlang mit einer Kollegin da und unterhalte mich über Gott und die Welt. Oder aber laufe ich nachmittags mit einer Kollegin zusammen die halbe Stunde ins Stadtzentrum. Ich habe das Gefühl, ein richtiger Teil geworden zu sein, eben nicht nur auf dem Papier, und dieses Gefühl ist wirklich schön.
Nach wie vor gibt es jeden Tag ein Taller. Anstelle des Musiktallers gibt es nun jden Donnerstag Sport für die Kinder (der Musiktallerist ist Anfang März nach Kolumbien gegangen), wo sie sich so richtig auspowern können. Sonst ist alles beim Alten geblieben, dienstags schwimmen, mittwochs tanzen und freitags Englisch. Montags haben wir vor ein paar Wochen wieder mit dem Projekt der „Leones Educando“ angefangen, wo sie viel über Werte und ihre Bedeutung lernen, um die eigenen zu erkennen und im Leben anzuwenden.
Neben dem Englischunterricht und den Tanzmittwochen, mag ich Dienstage mit am meisten. Diese Jahr habe ich angefangen, dem einen Schwimmlehrer mit den Kleinen zu helfen und ihnen Schwimmen beizubringen. Vor allem morgens haben wir dieses Jahr sehr viele Kleine, die Jünste erst 4. Das macht wirklich Spaß und es entlockt mir ein Lächeln, wenn es einige Kinder gibt, die aus Prinzip nur auf meinem Arm schwimmen lernen wollen. Es ist das Gefühl, am richtigen Platz zu sein.

Seit Anfang März gehe ich nun auch zwei oder dreimal die Woche tanzen, was mir wirklich gut tut und ich mal wieder merke, wie glücklich es mich macht, regelmäßig zu Tanzen. Nachdem ich nun schon letztes Jahr zum Jahresabschlussfest mit dem Tanzlehrer aus dem Club getanzt habe, haben wir das neulich nochmal gemacht. Vorletztes Wochenende gab es eine Tanzveranstaltung hier in Mercedes, wo sich alle Tanzlehrer aus Mercedes mit ihren Gruppen vorgestellt haben: „Mercedes baila“. Nachdem es einmal wegen Regen verschoben wurde, fand es eine Woche später als geplant statt. Die Wochen davor haben wir nun fast jeden Abend mit Proben verbracht (was mich total an meine eigene Tanzzeit erinnert hat..). Das Tanzen an sich war mal wieder recht südamerikanisch, ab der Mitte des Cha-chas meinte mein Partner improvisieren zu müssen, aberMercedes baila außer uns hat das zum Glück niemand gemerkt. Der Disco davor war sogar von Anfang bis Ende so, wie wir es geprobt hatten.
Es war ein wirklich schöner Abend, wo ich nun auch die anderen Tanzlehrer kennengelernt und tanzen gesehen habe, alles sehr liebe Menschen (wie so viele hier).

Ja, und nach wie vor geben wir jede Woche unseren Deutschkurs, was einfach Spaß macht. Nachdem wir uns nicht ewig vor der wunderbaren deutschen Grammatik drücken konnten, haben wir vor etwas mehr als einem Monat damit angefangen. So gibt es jede Woche einen Teil Grammatik in der Deutschstunde, für Zuhause dann Übungen und gleichzeitig noch eine Vokabelliste. Es ist so schönDeutschkurs zu merken, wie unsere Schüler Fortschritte machen. Jetzt können sie, neben sich vorstellen, sich begrüßen und verabschieden, Uhrzeit, Datum, Jahreszeiten, Monaten und Farben auch Adjektive steigern und Verben konjugieren. Allein für die kleinen Aha-Effekte, ein Lächeln oder Nicken, lohnt es sich, den Kurs zu machen.

So viel erstmal von mir. Ich schicke euch liebe Grüße aus dem kalten Mercedes,
eure Antonia

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Guten Tag, zweimal bis nach Feuerland bitte…

Januar. Mein Urlaubs- und Reisemonat! Bei meinem Projekt ist es so, dass ich in der Zeit, wenn es geschlossen ist, auch meinen Urlaub habe. Und weil es im Januar für jegliche Aktivitäten viel zu heiß ist, und Mercedes deswegen in eine Art Dauersiesta verfällt, ist in diesem Monat auch der Club geschlossen. Eigentlich war mein Plan, zu einer Freundin nach Peru zu fliegen, und mit ihr zusammen von Cusco bis La Paz zu reisen. An dem Wort „eigentlich“ wird schon deutlich, dass es nicht geklappt hat, leider. Denn wer musste mal wieder zum ungünstigsten Zeitpunkt, nämlich vor und an dem eigentlichen Flugtag krank werden? Hm genau, ich. So unvernünftig, dass ich mit 40 Grad Fieber und antibiotikanehmend in ein Flugzeug steige und in die Höhen Perus fahre, konnte ich beim besten Willen nicht sein… Also musste umgeplant werden. „Willst du nicht einfach mit mir mitkommen auf meine Argentinienreise?“ hat mich dann meine Mitfreiwillige gefragt. Ja, warum eigentlich nicht? Kurz darauf waren wir schon dabei, auch für mich Hostels und Busfahrten zu buchen. Und so habe ich zwar nicht meine Perureise gemacht, dafür aber eine wunderschöne Patagonien- und Feuerlandreise.

Nachdem wir von Colonia mit dem Boot nach Buenos Aires gefahren sind (mindestens einmal wollte ich doch auch mal so den Rio de la Plata überqueren), sind wir in den Bus gestiegen, der uns innerhalb von 29 Stunden ein ganzes Stück Richtung Süden bis nach Bariloche bringen sollte. Über einen Tag Bus zu fahren, ist 20170109_202738.jpgschon ein Erlebnis. Und es ist überhaupt nicht so schlimm, wie man sich das vielleicht vorstellt. Die Reisebusse sind hier ja wirklich bequem, sodass man auch mal ein paar Stunden schlafen kann (was mir persönlich sonst eher schwer fällt). So sitzt man fröhlich im Bus, schläft, isst, hört Musik, liest was oder schaut in die Landschaft, die sich nach und nach von uruguayähnlichem Flachland über Wälder, kleine Hügel (die aussahen, als hätten sie Windpocken) zu türkisen Seen zwischen Bergketten entwickelt haben. Die Kilometer auf der Landkarte vergehen ganz von alleine. Und, wir haben Busbingo gespielt! Das werde ich nie mehr vergessen, wie über Mikro die Zahlen durchgesagt wurden und der ganze Bus Bingo gespielt hat..

Die nächsten drei Tage haben wir in Bariloche verbracht, einer kleinen an einem See gelegenen Stadt. Bariloche ist eine schöne Mischung aus Stadt und Bergen. Man kann sowohl in der kleinen Stadt herumbummeln (es gab zum Beispiel eine traumhafte Fería), als auch mit einem Bus in die Berg- und Seenlandschaft fahren. IMG-20170226-WA0042Gleich am ersten Tag sind wir auf den „Cerro Campanario“ gestiefelt. Die Stunde dauerhaft steiler Aufstieg wurde uns mit der traumhaften Aussicht bei klarsten Sichtverhältnissen des 1000-Berges belohnt. Die nächsten beiden Tagen hatten wir leider nicht so ein Glück mit dem Wetter. So wurde nichts aus der geplanten Fahrradtour, und wir haben die Tage ruhig verbracht. Aber das war in der Hinsicht nicht schlimm, weil wir totales Glück mit dem Hostel hatten. So konnten wir auch Zeit in dem gemütlichen Gemeinschaftsraum mit anderen Hostelbewohnern verbringen, wenn wir nicht gerade durch die Straßen geschlendert sind oder Straßenmusikern zugehört haben. Jeden Abend haben wir einen Spaziergang zum See gemacht, wo wir uns einmal ordentlich durchpusten lassen haben (man musste sich richtig gegen den Wind lehnen, um nicht umzufallen).

Nach weiteren 24 Stunden Busfahrt kamen wir in El Chaltén an, einem kleinen Dorf mitten in den Bergen. Von der Landschaft und den Wandermöglichkeiten her hat uns El Chaltén am besten gefallen. Du konntest direkt vor deiner Tür loslaufen, warst nur wenige Meter vom „Parque Nacional de las Glaciares“ entfernt, in welchen du (im Gegensatz zu anderen Orten) keinen Eintritt bezahlen musstest. Deswegen und auch weil das Hostel dort wirklich grausig war (angefangen beim aufdringlichen Räucherstäbchengeruch im Gemeinschaftsraum), haben wir so viel Zeit wie nur möglich draußen verbracht. So haben wir gleich am Ankunftstag noch eine Wanderung gemacht, und waren den anderen Tag von morgens bis nachts unterwegs und sind zum Fuß des Fitz Roys gewandert. Ich war ziemlich stolz auf mich, dass ich die 25 km inklusive letztem Anstieg geschafft habe, trotz dem ich keine WanderP1030591schuhe hatte, sondern in kleinen Stiefelchen gelaufen bin. Meine Füße sind entsprechend am Abend fast gestorben, aber allein für den Moment, in dem wir am Fuße des Fitz Roys vor einem turkisblauen Bergsee standen, hat sich das gelohnt. Die Berglandschaft Patagoniens ist einfach atemberaubend. Perfekt zum Aufatmen und Auftanken. Ich habe mal wieder gemerkt, wie es gut es tut, zu laufen und einfach viel Zeit mitten in der Natur zu verbringen.

Nach nur 3 Busstunden kamen wir am nächsten Tag in El Calafate an, einem vergleichsweise touristischen Städchen (was man zum Beispiel an den beiden Hauptstraßen gemerkt hat). Mit unserem Hostel hatten wir wieder Glück. Das Beste war meiner Meinung nach die dauerhafte gute Musik, die in dem Frühstücksraum lief. El Calafate ist an einem schönen See gelegen, an dem ich einen Nachmittag herrlich lange entlang spaziert bin. Auch El Calafate ist an dem Nationalpark „Las Glaciares“ gelegen, allerdings muss man eine Stunde mit dem Bus hinfahren und nicht ganz billigen Eintritt P1030788bezahlen. Einen Tag haben wir die Tour zum Glaciar „Perito Moreno“ gemacht, einem wirklich riesigen Gletscher. Mehrere Wege haben am Ufer entlanggeführt, sodass man den Gletscher aus allen möglichen Blickwinkeln sehen konnte. Wirklich lange an einer Plattform stehen konnte man allerdings leider nicht, weil der kalte Wind einen dann zu einem Eiszapfen erstarren lassen hätte.

Nur eine Flugstunde trennte uns noch von Ushuaia, wo wir die letzten Tage unserer Reise verbracht haben. Feuerland, das Ende der Welt, wie es so schön heißt. Gleich an unserem ersten ganzen Tag haben wir das gemacht, worauf wir die ganze Reise über schon so gefreut haben. Eine Bootsfahrt auf dem Beagle Kanal, auf der wir neben Seelöwen, Kamaranen und dem südlichsten Leuchtturm der Welt P1040114(behaupten zumindest die Argentinier) auch Pinguine gesehen haben. Echte kleine vor sich hin watschelnde Pinguine auf einer Insel! Ich hätte ihnen ewig zuschauen können. Für Ushuaia-Verhältnisse hatten wir in den Tagen ziemliches Glück mit dem Wetter. Es war zwar bewölkt, kalt, windig und hat ab und zu genieselt, aber nicht den ganzen Tag durchgeregnet. Auch in Ushuaia musste man einen Bus nehmen, um in den Nationalpark zu fahren (sowie Eintritt bezahlen). Einen Tag sind wir an einem stürmischen See bis an die chilenische Grenze gelaufen und im Postamt „Fin del mundo“ (Ende der Welt) gewesen, an einem anderen Tag zur „Laguna Esmeralda“ gelaufen (auf schlammigen Wegen, die aussahen, als wären mehrere Horden Wildschweine dort gewesen), einer wunderschönen türkisblauen Lagune. Sonst sind wir durch die kleine hübsche Stadt gebummelt, am Hafen entlanggelaufen oder saßen in einem der südlichsten Cafés dieser Welt, haben kostenlose selbstgemachte heiße Schokolade getrunken (die Gutscheine wurden uns von den Pinguin-Bootstouren-Verkäufern geschenkt) oder Zeit im Hostel verbracht. Nachdem wir abends immer etwas in der hübschen und gut ausgestatteten Hostelküche gekocht haben, saßen wir meist noch mit anderen Hostelbewohnern zusammen: Argentinier, Franzosen, Belgier, Israelis und wir zwei Deutschen. Das war wirklich ein bunter Haufen, und wir konnten uns abwechselnd auf Englisch, Spanisch und sogar manchmal Deutsch unterhalten.

Dann ging es zurück in den Norden, mit dem Flugzeug ins heiße Buenos Aires, und von dort ins noch heißere Mercedes. Eine Woche Urlaub blieb noch, bis ich dann nach Baradero (Argentinien) zum Zwischenseminar gefahren bin. Eine Woche Urlaub mit meinem Papa, denn er hat mich hier in Südamerika mit einem Freund besucht. Ich habe ihm Mercedes gezeigt, wie ich lebe, wo ich arbeite (leider konnten wir nicht in den Club de Ninos, weil er ja den ganzen Januar geschlossen ist; aber dafür haben wir eine Kollegin von mir getroffen, die uns gleich auf einen Mate vor ihrem Haus eingeladen hat), die Rambla, in was für einem hübsc20170126_134459.jpghen Städtchen ich dieses Jahr lebe. Dann ging es über Montevideo weiter an die Ostküste Uruguays. La Paloma, das kleine felsige La Pedrera, das urige und ursprüngliche Cabo Polonio mitten im Nirgendwo mit Sandstrand, wohin das Auge reicht. Traumhafte Orte an der Atlantikküste. Als wir an einem bewölktem Tag einen dreistündigen Strandspaziergang von La Paloma nach La Pedrera gemacht haben, hatte ich kurzzeitig das Gefühl, ich wäre gerade an der Nordsee in Deutschland. Nach Herzenslust konnten wir an diesen Tagen baden, Wellen hüpfen, sich auf dem Rücken im Meer treiben lassen (was ich ja so liebe). Eine wirklich schöne Zeit.

Bis bald,
eure Antonia

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-Bericht II-

Einleben. Sich an eine neue Umgebung gewöhnen, seine Lebensgewohnheiten an sie anpassen,  heimisch werden. Metaphorisch kann man sagen, dass mich Südamerika von Anfang an mit offenen Armen empfangen hat. Es fiel mir nicht schwer, mich hier wohl zu fühlen. Mercedes ist ein Stück Heimat geworden, und das zu merken, ist einfach schön. Inzwischen hält man es leider tagsüber hitzetechnisch nicht mehr auf der Dachterrasse aus (da haben meine Kollegen nicht übertrieben), deswegen sitze ich heute nicht dort, sondern in unserem Garten und genieße den Schatten der Bäume. Ja, ich kann von mir sagen, dass ich mich an mein südamerikanisches Leben gewöhnt habe, mich hier eingelebt habe.

Uruguay, woran denkt man eigentlich, wenn man von diesem Land hört? Ich muss sagen, viele Assoziationen hatte ich vor diesem Jahr nicht. Ein kleines Land zwischen den Riesen Argentinien und Brasilien, Mujica, der Präsident, der sich so für die Armen eingesetzt hat, Mate trinken, Tango, der Rio de la Plata, Montevideo, der ständige Konkurrenzkampf mit Argentinien.
Was mir hier wirklich auffällt, ist die Entspanntheit, mit der so viele Dinge angegangen werden. Ich sage nur „tranqui, tranqui“ (Abkürzung von „tranquilo“= ruhig), was man hier an allen Ecken hört. Es wird in den Tag hineingelebt, in aller Ruhe vor den Häusern auf Klappstühlen Mate getrunken (allein dieses Bild ist schon Ruhe und Zufriedenheit pur) und gibt es mal ein Problem, so wird keinen Stress gemacht, sondern ruhig eine Lösung gesucht. Ein bisschen habe ich mir diese Ruhe schon angeeignet und möchte mir das auch beibehalten. Allerdings merke ich auch, wie sich an einigen Stellen meine deutsche Herkunft meldet, vor allem wenn es um Pünktlichkeit oder Ordnung geht oder aber darum, dass bei leichtem Nieselregen diverse Veranstaltungen abgesagt werden. Was ich sonst sehr genieße, ist die Offenheit und Freundlichkeitsnapchat-8722081197759632242-2 der Uruguayos. Auch wenn das „Hola, cómo estás?“ eher oberflächlich ist, merkt man doch bei den meisten, dass sie wirklich Interesse haben. Das glückliche Lächeln des Gemüsehändlers, wenn du mal wieder vorbeikommst, oder des Busfahrers, wenn du mal wieder Bus fährst, sind alles Dinge, an die ich mich lange erinnern werde. Was fester Bestandteil meines Lebens geworden ist, ist der Mate. Unter der Woche trinke ich fast jeden Tag auf Arbeit Mate, am Wochenende mit meiner Mitfreiwilligen. Es ist eine wirklich schöne Alternative zu Kaffee und eine ganz eigene Kultur.

Die Zeit hier vergeht ganz schön schnell, irgendwie fast zu schnell, finde ich. Ehrlich gesagt fällt es mir schwer zu glauben, dass ich inzwischen schon ein halbes Jahr hier in Uruguay bin, und nun schon über die Hälfte meines Auslandjahres herum ist. Wir befinden uns inzwischen seit über drei Monaten mitten im südamerikanischen Sommer mit täglich über 30 Grad (die sich immer wie 5-10 mehr anfühlen, weil die Sonne einfach so stark scheint), sodass man sich regelmäßig mit Wasser übergießen oder im Fluss schwimmen gehen sollte, um nicht zu zerfließen. Bei mir im Zimmer ist es an manchen Tagen schwer auszuhalten, trotz des kleinen Ventilators, weil ich nur ein Fenster habe, was nach Norden geht, wo demnach den ganzen Tag die Sonne hineinscheint. Ich habe mir angewöhnt, immer öfter auf der Terrasse zu schlafen (unter meinem Moskitonetz), weil es dort wirklich angenehm kühl ist. Allerdings mache ich das nur, wenn ich früh aufstehen muss. Ausschlafen wird durch die Sonne, die ab ungefähr halb 10 gnadenlos auf die Terrasse scheint, eindeutig erschwert.

Inzwischen gehört einiges der Vergangenheit an, was am Anfang in unerreichbarer Ferne schien. Die Weihnachtszeit, die, als eine der doch recht wenigen Gemeinsamkeiten mit der in Deutschland, ziemlich vollgestopft mit Aktivitäten war: ein Weihnachtsmarkt mit der Jugendgruppe, Plätzchenbacken an zahlreichen Nachmittagen (darauf wollten wir nicht verzichten), einige zusätzliche Veranstaltungen, wie das Abschlussessen mit meinen Kollegen oder die Tanzvorstellung der Kinder im Theater. Diese Zeit war in der Hinsicht sehr schön, dass ich viel mehr mit meinen Kollegen gemacht habe, und so der Kontakt intensiver und persönlicher geworden ist. Immer mehr bekomme ich das Gefühl, ein gleichwertiges Mitglied zu sein. Dann Weihnachten selbst, was zugegebenermaßen recht unweihnachtlich war. Es war eine Erfahrung wert, aber ich muss sagen, dass ich das ruhige Weihnachten mit der Familie dem Feuerwerk auf den Straßen eindeutig vorziehe. Dann mein Urlaub in Patagonien und an der Ostküste Uruguays im Januar, den ich wirklich sehr genossen habe und wo ich in aller Ruhe wieder auftanken konnte. Das Zwischenseminar, wo wir viel Zeit zum Reflektieren des ersten halben Jahres hatten, aber auch zum Ziele formulieren für das zweite halbe Jahr. Trotz dem ich von dem zweiten Teil nicht alles mitbekommen konnte, da ich krank geworden bin, habe ich die Zeit auch zum Nachdenken genutzt.

Ein großes Anliegen ist es mir, noch mehr Eigenes auf Arbeit zu machen. Tatsache ist, dass ich in einem sehr strukturierten Projekt bin, wo schon viel vorgegeben ist. So gibt es jeden Tag ein Taller für die Kinder und ich habe bis jetzt nicht die Möglichkeit, ein eigenes Taller zu leiten. Es kann sein, dass sich das jetzt ab Mitte März ändert, weil der Musik-Tallerist nach Kolumbien geht und so dieses Taller erstmal weg fällt. Meine Chefin versucht, ein Sport-Taller zu organisieren, weil das eine Sache ist, die im Angebot des Clubs noch fehlt, und es toll wäre, wenn die Kinder sich einmal in der Woche richtig auspowern könnten. Angenommen, das sollte nicht klappen, könnte es ein Tag werden, an dem ich als Freiwillige etwas alleine auf die Beine stellen könnte.
Aber mal abgesehen von einem eigenen Taller denke ich, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, noch mehr Eigenes machen zu können, vor allem Kreatives. Im Club ist es ja so, dass fast jeden Tag kreativ gearbeitet wird. Am Dla-presentacion-1onnerstag den ganzen Tag, an den anderen Tagen parallel zu den Talleristen, die ja meistens immer nur mit kleinen Gruppen von Kindern nacheinander arbeiten. Bis jetzt war es eigentlich immer so, dass ich auf Arbeit kam, und dort gefragt habe, was wir denn heute machen und wo ich helfen kann. So konnte ich nur spontan Ideen äußern, aber war nicht wirklich in die Planung mit einbezogen. In dieser Hinsicht hat das zweite halbe Jahr um einiges besser begonnen. In den ersten Tagen habe ich mit einer Kollegin vom Vormittag Ideen ausgetauscht und gesammelt, was wir denn alles machen könnten. In dem Moment habe ich mich ziemlich gut gefühlt, einfach weil ich von Anfang an mit einbezogen wurde (bzw. durch die Frage, ob ich mir mit ihr zusammen was überlegen kann, mich selbst mit einbeziehen konnte). Eine andere Idee ist, dass ich eine Liste mit kreativen Ideen oder Aktivitäten anfange, die ich mit den Kindern an Regentagen machen kann. Denn an Regentagen ist es so, dass nur sehr wenige Kinder kommen, und sie meistens vor den Fernseher gesetzt werden oder einen Film schauen. Und das finde ich schade, denn nur weil wenige Kinder kommen, heißt das doch nicht, dass es sich nicht lohnt, mit ihnen Aktivitäten zu machen.

Gerade kommen noch nicht wieder alle Kinder in den Club, weil die Schule noch nicht angefangen hat. So arbeiten wir entweder nur vormittags oder nachmittags (was angesichts der Hitze wirklich nicht schlecht ist) und auch die Talleres haben noch nicht begonnen. Entsprechend kann man auch etwas individueller und spontaner arbeiten, was ich sehr schön finde. Zum Beispiel habe ich schon öfter mit einer kleinen Gruppe ein paar deutsche Spiele gespielt, Halli Galli oder UNO, die eine Vorfreiwillige von mir mal mit in den Club gebracht hatte, oder aber eine große Runde Tischtennis. Das macht ihnen wirklich Spaß, und ist gleichzeitig für mich eine gute Übung, alleine verantwortlich zu sein und mich gegen die redegewandten Kinder durchzusetzen.

Auch die Gemeindearbeit hat wieder sehr gut begonnen. Mit den Jugendlichen haben wir angefangen, den Gemeindegarten zu entrümpeln und die Beete zu jäten, sodass man auch mal wieder etwas mehr anpflanzen kann. Die große Wiese wollen wir wieder als Volleyballfeld nutzen.
Die Samstagabende mit den Jugendlichen sind für mich etwas geworden, worauf ich mich wirklich freue, denn es ist nicht mehr wie am Anfang so, dass man daneben saß und nichts verstanden hat. Trotz dem mein Spanisch noch lange nicht perfekt ist (man stellt sich so schön vor, dass man ruck zuck fliimg-20170225-wa0008eßend sprechen kann, aber in der Realität ist es doch anders; gerade weil wir Zuhause Deutsch sprechen und das nun einmal der meiste Anteil unseres Tages ist), kann ich nun aktiv an den Gesprächen teilhaben. Dazu kommt, dass ich die Jugendlichen in mein Herz geschlossen habe, und es genieße, sie immer mehr kennenzulernen, und so auch außerhalb der Samstage mal etwas zusammen zu machen. Letzte Woche haben wir zum Beispiel einen ganzen Tag zusammen verbracht, als eine Art Sommercamp, und sind in die Thermen von Salto gefahren. Ich finde es beeindruckend, was die Jugendlichen teilweise schon in ihrem Leben erlebt haben. Vor allem die Lebensgeschichte des einen Jugendlichen hat mich sehr bewegt (ich glaube, es war einer der bewegendsten Momente bis jetzt), als er sie uns mal nach einem Jugendabend matetrinkend an der Rambla erzählt hat. Nachdem er sich als kleiner Junge um die ganze Familie gekümmert hat, hat er sich praktisch aus dem Nichts ein eigenes abgesichertes Leben aufgebaut. Trotz dem er so viel Schreckliches erfahren hat, hat er eine wunderbare optimistische Lebenseinstellung- ich finde das einfach nur bewundernswert und es regt zum Nachdenken an.
Die Kinderbibelstunde hat noch nicht wieder begonnen (erst, wenn die Schule wieder losgeht), aber wir werden nun endlich unsere Idee umsetzen, mit den Kindern Lieder zu singen. Bei einer großen Aufräumaktion des Salons haben wir einige Kinderliederhefte gefunden, die sich dazu wunderbar verwenden lassen. So haben wir als Freiwillige auch dort eine kleine Aufgabe und darauf freue ich mich schon.
Das Liederbegleiten auf dem Harmonium im Gottesdienst macht mir nach wie vor Spaß, ich finde die Harmonien und Rhythmen der Kirchenlieder hier einfach so schön. Mit dem Gottesdienst selber werde ich mich glaube ich nicht mehr wirklich anfreunden. Meine Mitfreiwillige und ich sind uns darüber einig, dass man die Predigt um einiges interessanter und auch inhaltsreicher gestalten könnte. Aber das liegt nun einmal nicht in unserem Verantwortungsbereich. Das Pfarrerehepaar wohnt inzwischen in Montevideo. Der Pastor pendelt für die Aufgaben als Gemeindepfarrer hier immer hin und her, kommt Mittwochabend nach Mercedes und fährt sonntags nach dem Gottesdienst wieder nach Montevideo.

img_9322Nach unserem Urlaub im Januar haben wir endlich mit unserem lang geplanten Deutschkurs angefangen. Zwei Jugendliche der Jugendgruppe wollen sich dafür bewerben, im nächsten Jahr für einen Freiwilligendienst nach Deutschland zu gehen. So wurden wir gefragt, ob wir nicht ein bisschen Deutsch unterrichten könnten. Und wenn wir schon einmal Deutsch unterrichten, warum dann nicht für alle, die es interessiert? So ist es nun eine bunte Mischung aus mehreren Jugendlichen der Gemeinde, unserer Verantwortlichen und ihrer Familie, Arbeitskollegen von mir und auch spontan Dazugekommenen, die den Aufruf im Radio gehört oder unseren Aufsteller vor der Tür gesehen haben. Wir treffen uns jede Woche einen Abend bei uns in der Gemeinde. Der Deutschkurs ist eine Sache, die mir wirklich gefällt. Es ist sowohl unser eigenes Projekt als auch macht das Unterrichten an sich Spaß. Gleichzeitig sind wir dabei, unsere Freizeit ein bisschen mehr zu füllen. Denn, außerhalb der Arbeit noch mehr zu machen, war auch etwas, das ich mir vorgenommen habe. Wir haben zum Beispiel auch angefangen, immer mal zu einer Murga (eine Art Protestgesang, der Bestandteil der Kultur Uruguays ist) zu gehen, und haben den mercedarischen Karneval miterlebt. Und ab nächste Woche werden wir nun endlich beginnen, die Sportangebote von Mercedes zu nutzen, denn wir fangen bei dem Tanzlehrer, der auch zu uns in den Club kommt, mit Tanzen an.

Liebe Grüße aus  dem sommerlichen Mercedes!
Un abrazo, Antonia

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Feliz navidad! Weihnachten auf uruguayisch…

Ich liege gerade unter einem wunderschönen Sternenhimmel auf unserer Dachterasse und habe beschlossen, endlich mal einen Weihnachtsblog zu schreiben. Halt stopp, das ist nicht ganz richtig, denn genauergesagt kommt vor dem Sternenhimmel noch ein Mosquitonetz (was ich heute an der Wäscheleine befestigt habe und hoffe, das es mich vor den mich tückisch beim Schlafen steckenden Mücken bewahrt), das die Sicht leider etwas verhunzt- aber unter dem Sternenhimmel schlafen ist und bleibt unter dem Sternenhimmel schlafen!

Trotz dem ich nun wirklich recht wenig adventliche und weihnachtliche Stimmung hatte, ist es auch hier irgendwie Weihnachten geworden. Meine Mitfreiwillige und ich haben nach wie vor keine Ahnung, warum der Weihnachtsgottesdienst in der Gemeinde schon eine Woche vor Weihnachten stattfinden musste. Aber gut, wir mussten es so hinnehmen, für uns war es allerdings ein weiterer Minuspunkt für das Auftauchen der Weihnachtsstimmung. Ja, aber was lässt sich nun über den vorfristigen Weihnachtsgottesdienst erzählen?
Fangen wir mal mit dem Positiven an. Die Lieder waren wirklich schön (v.a. die, die wir aus dem Deutschen kennen, wie „Noche buena“ oder „Venid fideles“ und meine Mitfreiwillige und ich haben am Ende noch ein deutsches Lied gesungen). Am Ende hat jeder eine kleines Tütchen Plätzchen bekommen, was die Damen vorbereitet hatten, das war eine schöne Geste! Und auch danach war es nett, da gab es noch Kuchen, Pizza, Kekse für alle und wir sind noch mit zwei Jugendlichen zur Rambla gegangen und haben da den Abend ausklingen lassen. So, jetzt komme ich zu dem etwas Gewöhnungsbedürftigen. Es fing so an, dass der Pastor gerade gebetet hat, meine Mitfreiwillige und ich haben zugehört, und wurden auf einmal von hinten angestupst mit den Worten „Mate? Mate?“. Und so haben wir ab diesem Zeitpunkt den Gottesdienst matetrinkend verbracht. Kommen wir nun zum Krippenspiel, womit leider der nicht ganz so positive Teil beginnt. Mal abgesehen davon, dass die Geschichte nicht besonders kreativ war (und schon direkt im Stall begann) bestand es darin, dass vorher aufgenommene Sprachnachrichten nacheinander abgespielt wurden und die Kinder (mehr oder weniger) synchron ihre Lippen dazu bewegt haben. Ja, und das eigentlich traurigste war, dass der Pastor uns am Ende des Gottesdiensten seine mangelnden Geschichtskenntnisse zeigen musste, indem er eine, unserer Meinung, sehr unangebrachte Handgeste benutzt hat, um die Gemeinde zu segnen (die Gemeinde sollte ebenso antworten)- ich werde darauf jetzt nicht näher eingehen.

Wie lief dann unser richtiges Weihnachten ab?weihnachtsbaum
Unsere kleine Weihnachtsvase hatten wir schon einen Abend vorher geschmückt (mal wieder durfte Rosmarin als Grundlage dienen, zusammen mit einigen Ästen, die dann mit selbstgemachten Stroh- und weißen Fröbelsternen behängt wurde), auch mein Zimmer hatte ich schon ein bisschen geschmückt, sodass wir das gar nicht mehr am Weihnachtsmorgen machen mussten. Nachdem meine Mitfreiwillige und ich, zugegebenermaßen recht unfestlich, gefrühstückt haben, hab ich Geschenke ausgepackt. Ich hatte ich mir zwei Päckchen, die ich im Laufe der Adventszeit bekommen hatte, aufgehoben, sodass ich sie am Weihnachtstag auspacken konnte. Auch meine Mitfreiwillige und ich haben uns eine Kleinigkeit geschenkt. Später hatte ich einen kleinen Weihnachtsskype mit meiner Familie in Deutschand (einer der wenigen weihnachtlichen Momente des Tages). Abends waren wir dann von unserer Verantwortlichen zum Essen eingeladen, was dann auch wirklich schön war. Es gab lecker Essen (vor allem der Nachtisch war gut: selbstgemachter Käsekuchen mit Fruchtsoße) und dann sind wir Mitternacht auf die Straße gestiefelt, um das Feuerwerk zu sehen. Dafür, dass es allerdings von allen so groß angekündigt wurde, war es doch nach ein paar Minuten recht schnell wieder vorbei. Ich muss ehrlich sagen, dass ich kurz davor war, „Frohes neues Jahr“-Nachrichtensilvester zu verschicken, weil es schon irgendwie ziemlich seltsam war, zu Weihnachten ein Feuerwerk zu haben. Nachdem der Versuch (von Familienmitgliedern von ihr) eine doch etwas brandgefährliche Laterne in den Himmel zu befördern aufgrund der Tatsache, dass die Laterne recht bodenbeständig war, fehlgeschlagen ist, und ein Erinnerungsfoto gemacht wurde, ging es wieder ins Haus und wir saßen etwa noch ein Stündchen zusammen. Dann haben sich meine Mitfreiwillige und ich auf den Weg nach Hause gemacht, wo wir dann erstmal ordentlich Mate trinken mussten, um nicht von unserer Müdigkeit besiegt zu werden. Denn wir hatten den Plan, noch auf die groß angekündigte Weihnachtsparty zu gehen (wenn wir die Tickets nicht schon gehabt hätten, wären wir vermutlich nicht mehr gegangen..) und so mussten wir noch wach bleiben. Da hier Partys immer ziemlich spät beginnen, sind wir nach 3 Uhr irgendwann aufgebrochen- waren aber letztendlich noch einer der ersten. Es war jedenfalls tanztechnisch noch nichts los. Nach 4 Uhr wurde es dann besser. Generell werde ich diese Nacht mal unter „interessant“ einstufen. Angefangen bei dem Kleidungsstil des weiblichen Teils der Bevölkerung, was ich als fast noch schlimmer als in Buenos Aires fand. Diejenigen ohne Plateuschuhe konnte man an einer Hand abzählen, und alle waren entweder in ganz kurzen Sachen oder aber so wie wir bei unserem Abiball gekleidet.. Und ja, man merkt, dass man in Südamerika ist, wenn man recht oft von recht aufdringlichen (ich formuliere es mal so) Typen angetanzt wird. Teilweise kann man sich auch mal nett unterhalten, entspannt tanzen und neue Leute kennenlernen, aber nicht alle diese nächtlichen Kontaktknüpfungsversuche waren so erwünscht. Meine Mitfreiwillige und ich hatten jedenfalls vweihnachtspartyiel Gesprächsstoff und Momente, in denen wir einfach nur Lachen mussten. Zu der Musik muss ich sagen, dass sie eigentlich wirklich gut war (ich feiere ja eh die lateinamerikanische Musik, wozu man- im Vergleich zu vieler europäischer- echt gut tanzen kann), wurde allerdings recht oft wiederholt. Und über den (zum Glück) kurzen Lifeauftritt von „Los Negroni“ muss ich nicht viel sagen, da waren wir froh, dass sie nach drei Liedern wieder weg waren. Was gibt es noch zu erzählen? Ja, vielleicht die Uhrzeit, zu der wir wieder in Richtung Casa semipública aufgebrochen sind. Halb 9 morgens. Das ist Feiern auf südamerikanisch! Wirklich schön war es allerdings, die Sonne über dem Rio Negro und der Rambla aufgehen zu sehen. Das war wirklich traumhaft!

Un abrazo aus Mercedes, Antonia

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Plätzchen backen im Bikini…

Während es in Deutschland die ersten Schneefälle gibt, es zeitig dunkel wird und eine weihnachtliche Stimmung einkehrt, meint sich das uruguayische Wetter auf Weihnachten so vorzubereiten, indem es so langsam die Ofentemperatur vom Plätzchenbacken annimmt. Bis auf ein paar Gewitter (wo es sich zumindest mal kurzzeitig abkühlt) dümpeln wir konstant über 30 Grad herum. ‚Ach aber das ist noch gar nichts!‘- um mal den Lieblingssatz meiner Arbeitskollegen bezüglich des südamerikanischen Sommers zu nennen. Laut ihrer Aussage darf ich mich auf ein Weihnachten mit mindestens 40 Grad Außentemperatur freuen. Ja, dass mein Weihnachten dieses Jahr anders wird als die letzten Jahre, das steht fest. Aber ich lasse mich darauf ein und freue mich auch darauf (solange ich nicht wie ein Schneemann in der Sonne enden werde).

So langsam wird es in unseren Zimmern schwer auszuhalten. Glücklicherweise besitze ich seit ein paar Tagen einen funktionierenden Ventilator, der quasi dauerhaft arbeiten darf. Allerdings fällt das Schlafen trotz dessen schwer. Meiner Mitfreiwilligen geht es ähnlich und so haben wir neulich erstmals den Rat unserer Vorfreiwilligen befolgt, draußen zu schlafen. Wir haben uns unsere Matratzen nachtgeschnappt und sind auf unser Dach marschiert, haben uns ein schönes Plätzchen gesucht und es uns gemütlich gemacht. Ich glaube, wenn es noch heißer wird, werde ich da dauerhaft schlafen. Denn neben der Tatsache ausreichend frische Luft zu bekommen, ist es ein tolles Gefühl unter dem Sternenhimmel einzuschlafen..

Ja, wie verbringen wir hier die Advents- und Weihnachtszeit? Wie sieht es mit den Traditionen generell in Uruguay aus? Neulich kam ich mit einer Arbeitskollegin auf das Thema Advents- und Weihnachtstraditionen. Und was sie mir erzählt hat, war schon ein bisschen traurig. Adventskalender sind gar nicht wirklich verbreitet, Adventskränze gibt es bei manchen Familien, bei vielen aber auch nicht, und Weihnachtsbäckerei gibt es auch nur selten. Was allerdings ganz schön klang, war die Tradition zu Weihnachten, dass sich alle nach dem familiären Teil an der Rambla treffen und fröhlich zusammen mit Feuerwerk feiern. Feuerwerk generell sei eine Sache, die die Uruguayer lieben.

Meine Mitfreiwillige und ich sind uns einig, dass wir unsere Weihnachtstraditionen auch hier in Südamerika beibehalten möchten. Allerdings haben wir gelernt, dass wir ein bisschen improvisieren müssen- so zum Beispiel beim Adventskranz, den meine Mitfreiwillige pünktlich zum ersten Advent selber gebunden hat. Ihr würdet nicht darauf kommen, was der Hauptbestandteil ist. Rosmarin! Da wir hier nicht wirklich Tannenzweige haben, dafür aber einen riesigen Busch Rosmarin, der ja ähnlich aussieht, darf er uns dieses Jahr als Adventskranz dienen. Ein bisschen südamerikanisch wollten wir ihn aber doch haben, so dürfen noch ein paar uruguayische Nationalblumen, die zugegebenermaßen echt weihnachtlich dunkelrot aussehen (hier heißen sie Ceibo) den Kranz schmücken. An dem Abend hattesterne ich, als ich in unserem Garten einen großen Strauch vertrocknete Gräser entdeckt habe, die Idee, daraus Strohsterne zu machen. Und so sind wir inzwischen stolze Besitzer von 46 selbstgebastelten Stohsternen. Wir haben überlegt, wenn wir schon keinen echten Weihnachtsbaum haben, zumindest eine Vase mit ein paar weihnachtlichen geschmückten Zweigen in Küche zu stellen. Vermutlich wird auch dafür unser Rosmarin gute Arbeit leisten. Apropos Weihnachtsbaum.. Ich hoffe wirklich, dass der Weihnachtsbaum der Gemeinde nicht so schlimm ist, wie mir meine Vorfreiwillige prophezeit hat. Natürlich ist es ein Plastikweihnachtsbaum (was auch sonst!) und angeblich soll die befestigte Lichterkette Weihnachtslieder singen und im Rhythmus dazu blinken. Es klingt gefährlich so, dass ich mich sehr bemühen muss, meine Weihnachtsstimmung vor dem Wegrennen aufzuhalten.
Ja ja, die weihnachtliche Stimmung. Einmal habe ich gesagt: „In Deutschland wird ja bald Weihnachten.“- das deutet das Ganze schon ein bisschen an. Für mich ist Weihnachten einfach mit Kälte, Winter, es wird früh Dunkel und (wenn möglich) Schnee verbunden. Deshalb ist es schon irgendwie schwer zu glauben, dass auch hier bald Weihnachten ist, mitten im Sommer!

Vor einer Woche hat meine Mitfreiwillige (während ich krank im Bett lag) bereits die erste Backaktion gestartet und den ganzen Sonntagnachmittag und -abend (und -nacht) insgesamt drei Plätzchensorten gebacken. Heute gab es Backaktion Nummer zwei, nachdem wir gestern Abend schon mal die Teige vorbereitet haben, damit es heute gleich mit Backen losgehen konnte. Bestandteil davon war auch, meine Haselnüsse und Mandeln irgendwie von der Nussform in einen gemahlenen Zustand (ohne Mühle) umzuwandeln. Mir viel nichts besseres ein als die Nüsse mit einer Reibe zu zerkleinern (und ja, es ist genauso mühsam wie es klingt). Als mich ein Jugendlicher der Gemeinde (aus der Jugendgruppe) so sah, überlegte er laut, ob ich nicht mein Glück mit unserem Standmixer versuchen sollte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie dankbar ich (genauso auch Miri) ihm für diese Idee nach wie vor sind. Ich hätte vermutlich noch die ganze Nacht dagesessen, bis ich endlich meine 500g gemahlene Nüsse gehabt hätte.
Ab heute Mittag durfte unser Backofen nun dauerhaft Plätzchen schön goldgelb backen. Auch beim Plätzchenbacken ist ein20161204_125721 bisschen Kreativität gefordert, da der Teig bei den Temperaturen dazu neigt, vollkommen zu zerfließen, und deswegen vermehrt Zeiten im Kühlschrank eingeplant werden sollten. Und auch der Nussteig krümelte fröhlich vor sich hin, was aus dem Vanillekipferlformen eine kleine Herausforderung machte- aber ich bin zufrieden mit deplatzchenm Ergebnis! Und auch mit den Butterplätzchen, auch wenn leider am Anfang einige verbrannt sind, da der Backofen hier etwas eigensinnig ist. Jetzt habe ich noch drei Bleche mit Nusshäufchen, die noch alle in den Backofen müssen. Leider dauert der Backprozess etwas länger als ich es gewohnt bin, weil immer nur ein Blech im Backofen Platz hat. So darf ich mich noch auf mindestens eine Stunde Backzeit einstellen- aber dann sind wir stolze Besitzer von 7 verschiedenen Plätzchensorten (und einem Kuchen), die in allen auffindbaren und für halbwegs tauglich befundenen Dosen untergebracht und auf unserem Kühlschrank gelagert werden.
Es ist schon ein Erlebnis, bei über 30 Grad Außentemperatur Plätzchen zu backen. Gerade weil die Backofenwärme die eigene Wärmebefindlichkeit nicht gerade verbessert. Entsprechend mussten wir uns irgendwann mal richtig abkühlen und haben uns, als ein Blech Vanillekipferl im Ofen und mal kurz Pause war, schnell den Bikini angezogen und wieder mal ein paar Eimer kaltes Wasser über den Kopf gekippt. Der wunderbar kalte Bikini wurde dann gar nicht erst wieder ausgezogen. Plätzchen backen im Bikini, ich glaube daran werde ich mich noch lange erinnern!

Liebe Grüße und euch allen eine schöne Adventszeit!
Eure Antonia

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-Bericht I-

Angekommen. Zu merken, an einem Ort angekommen zu sein, ist ein tolles Gefühl. Ich sitze gerade auf unserer Terrasse in Mercedes und genieße die warmen Sonnenstrahlen. Ich bin inzwischen fast drei Monate hier und kann von mir sagen, dass ich in meinem südamerikanischen Leben wirklich angekommen bin.

Bald ist es drei Monate her, dass meine Mitfreiwillige und ich in Mercedes angekommen sind. Nach der relativ langen Wartezeit (fast 7 Stunden) im Retiro in Buenos Aires, hatten wir eine wirklich tolle Busfahrt. Ich muss sagen, dass das der bequemste Bus war, in dem ich je saß! In meiner sogenannten „Semicama“ (Semibett) konnte ich sogar ein paar Stündchen schlafen.  An der Grenze hatten wir dann allerdings kurzzeitig Panik, weil unsere Reisepässe von einem etwas unseriös wirkenden Mann eingesammelt wurden und wir uns gefragt haben, ob wir sie wohl jemals wiedersehen würden. Aber es hat alles gut geklappt und wir haben sie inklusive Einreisestempel und Touristenvisum für drei Monate wiederbekommen. Keine halbe Stunde später sind wir in Mercedes angekommen, wo uns unsere Ansprechpartnerin mit einer herzlichen Umarmung begrüßt hat. Dann ging es auch schon zu dem Gemeindehaus, in welchem wir dieses Jahr leben.
Am nächsten Tag haben wir mit unserer Ansprechpartnerin gefrühstückt und dann zusammen mein Projekt, den „Club de Niños“, besucht, wo uns alles gezeigt wurde. Zum Mittag wurden wir von dem Pfarrerehepaar zum Essen eingeladen. (Die beiden wohnen direkt neben uns, die Wohnung ist mit der Küche der Gemeinde verbunden.) Nach dem Essen sind sie mit uns noch ein bisschen in der Stadt und Umgebung herumgefahren, und wir haben realisiert, an was für einem schönen Fleckchen Erde wir hier gelandet sind. Die Stadt ist zwar wirklich klein und ruhig, aber hat eindeutig ihren Charme. Vor allem die Rambla und der Río Negro sind toll. Inzwischen waren wir auch schon öfters im Río baden, und es ist traumhaft, nicht mal 5 Minuten Fußweg  bis dahin zu haben. Gegen Abend hat uns Ana noch die Innenstadt gezeigt und wir haben unseren ersten gemeinsamen Einkauf nach Hause geschleppt.

cropped-20160824_134802.jpgDer folgende Tag, unser zweiter in Mercedes, war dann gleich unser erster Arbeitstag. Sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag wurde ich meinen zukünftigen Kollegen vorgestellt, herzlich zum Matetrinken eingeladen und den Kindern vorgestellt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich in dem Moment, als ich nach ungefähr 30 Namen der Kinder am Vormittag nochmal 30 neue Namen der Kinder am Nachmittag gehört habe, etwas überfordert war, und mich schon sehr auf den Zeitpunkt gefreut habe, wenn ich alle Namen kann (was ich inzwischen stolz von mir sagen kann). Denn im „Club de Ninos“ ist es so, dass vormittags und nachmittags andere Kinder kommen, je nachdem, wann sie Schule haben. Von meiner Chefin wurden mir meine Arbeitszeiten gesagt (Montag bis Freitag täglich von 9 bis 12, und 2 bis 5 Uhr) und die Tagesabläufe erklärt. Im „Club de Ninos“ gibt es jeden Tag einen Programmpunkt. Montags machen die Kinder Musik, dienstags gehen sie zusammen ins Schwimmbad, mittwochs kommt ein Tanzlehrer in den Club, freitags eine Englischlehrerin. Donnerstag gibt es bisher keinen festen Programmpunkt. Das ist der Tag, an dem ich noch Ideen einfließen lassen kann. Vor einiger Zeit habe ich z.B. begonnen, immer mal mit einer kleinen Gruppe deutsche Spiele zu spielen, die ehemalige Freiwillige mal mit in den Club gebracht haben. Neben dem Programm gibt es Zeit zum Spielen, Hausaufgabenhilfe (eine Sache, die mir wirklich Spaß macht) und Frühstück bzw. Merienda, wo die Kinder Kakao und eine Kleinigkeit zum Essen bekommen. Dabei wird sehr auf das Benehmen beim Essen und auch auf die Hygiene geachtet, denn das ist eine Sache, die die wenigsten Kinder Zuhause lernen. Vor dem Essen waschen sich alle die Hände, dann wird das Essen ausgeteilt, erst wenn alle etwas haben und sie ruhig sind, wird angefangen; wenn alle fertig sind, wird das Geschirr tischweise abgewaschen und dann Zähne geputzt.

Luftballons

Immer mal erzählen mir meine Kollegen von den Hintergründen der Kinder. Auch wenn ich einiges schon von ehemaligen Freiwilligen gehört oder gelesen habe, ist es erschreckend, dass es wirklich Realität ist. Und man merkt, wie sehr sich die Situation, aus der sie kommen, in ihrem Verhalten widerspiegelt. Es gibt die Kinder, die aus sehr armen Familien kommen. Im Gegensatz dazu einige, die aus guten Verhältnissen kommen, sich aber die Eltern zu wenig um sie kümmern, die Kinder sich zuhause alles erlauben können, und sich entsprechend im Club auch so verhalten. Dann gibt es einige, die gar keine Eltern mehr haben, entweder bei Familienmitgliedern wohnen, die sie nicht wollen, oder in einem Heim leben und sich alleine um sich und meist noch kleinere Geschwister kümmern müssen. Dazu kommt, dass in vielen Familien Drogen und Gewalt eine große Rolle spielen. Erst neulich kam bei einem kleinen Jungen heraus, dass er alleine mit seinem drogenabhängigen Vater wohnt, seine Mutter vor dem Vater geflohen ist, weil er sie immer geschlagen hat, und er nun auch das Kind schlägt. Viele Kinder können sich überhaupt nicht länger als ein paar Minuten auf eine Sache konzentrieren, bei dem kleinen Jungen ist es besonders schlimm.

Generell habe ich gemerkt, dass die Reaktion der Kinder auf mich gespalten war. Die meisten waren wirklich sehr interessiert und sind sofort auf mich zugekommen, wollten mit mir spielen und mit mir erzählen, haben mich mit unzähligen Fragen gelöchert; aber einige waren auch sehr zurückhaltend. Auf der einen Seite kann ich sie verstehen. Es ist sicher nicht einfach, wenn jedes Jahr jemand Neues aus Deutschland kommt, aber eben immer nur ein Jahr bleibt. Die Kinder gewöhnen sich an diese Person, schließen sie in ihr Herz und dann ist sie einfach von einen auf den anderen Tag wieder weg. Auf der anderen Seite ist es natürlich für mich einfacher, wenn sie auf mich zukommen und mit mir reden wollen, weil ich so die Chance habe, sie kennenzulernen, mich vorzustellen, mit der Zeit eine Beziehung aufzubauen.
Demzufolge habe ich gemerkt, dass ich mir den Respekt der Kinder wirklich erarbeiten muss, und dass es Zeit braucht. Dazu kommt, dass mein Spanisch nach wie vor nicht perfekt ist und es nicht einfach ist, die Kinder immer zu verstehen bzw. das auszudrücken, was ich sagen möchte oder mich durchzusetzen. Das bietet entsprechend Gesprächsstoff für die Kinder. Aber es ist wirklich schön zu sehen, wie mit der Zeit das Vertrauen entsteht und wächst. Und es freut mich, wie ich merke, dass ich mit der Zeit immer mehr Verantwortung für die Kinder übernehmen kann. Am Anfang war es ja wirklich erstmal ein „Zusehen“ und „Beobachten“, wie alles abläuft. Aber inzwischen hatte ich schon mehrmals alleine die Verantwortung für eine kleine Gruppe von Kindern (und wir spielen Spiele oder basteln etwas), und es ist ein tolles Gefühl, am Ende etwas in der Hand zu halten, was ich alleine mit den Kindern gemacht habe, und sowohl sie als auch ich zufrieden sind.

Nach den ersten Arbeitstagen im „Club de Niños“ folgten dann auch die ersten Arbeitstage in der Gemeinde, wo meine Mitfreiwillige und ich uns die Arbeit teilen. Hauptsächlich findet diese an den Wochenenden statt. Samstagnachmittag gibt es eine Kinderbibelstunde, wo die Kinder nach und nach die Geschichten der Bibel kennenlernen und z.B. für Weihnachten Lieder üben. Abends ist dann der Jugendabend, wo wir zusammen mit dem Pfarrer und unserer Verantwortlichen und Jugendlichen von 16 bis 24 eine Kleinigkeit essen und einfach Zeit zusammen verbringen. Diese Jugendgruppe hat nicht das Ziel, nur über kirchliche Themen zu reden. Es ist vielmehr ein Ort des Zusammenkommens, eine Möglichkeit für sie über all das zu reden, was sie gerade beschäftigt. Anfangs war es für uns ziemlich schwer, den Gesprächen zu folgen. Je mehr wir mit der Zeit allerdings das Spanisch der Jugendlichen verstehen, desto mehr können wir uns in die Gespräche auch mit einklinken. Gerade sind wir dabei, eine Art Weihnachtsmarkt  vorzubereiten, wo wir verschiedene Sachen basteln und in der Weihnachtszeit verkaufen wollen, um Geld für das Sommerlager zu sammeln. Meine Mitfreiwillige und ich haben auch vor, dafür deutsche Weihnachtsplätzchen zu backen. Sonntagmorgen ist dann noch der Gottesdienst, wo wir für die musikalische Begleitung zuständig sind. Ich auf dem Harmonium, meine Mitfreiwillige auf der Gitarre.
Neben dsnapchat-5288676249675964651en Aktivitäten am Wochenende, kommen unter der Woche noch kleine Arbeiten für die Gemeinde hinzu. Dazu gehört der „Día de los Empanadas“, wo für die ganze Stadt Empanadas gemacht und verkauft werden und wir einen Tag lang mithelfen. Seit unserer Generation gibt es auch den Besuch im „Hogar de Ancianos“ (einem Altenheim), wo eine kleine Andacht stattfindet und wir diese musikalisch begleiten.
Ich muss sagen, dass wir bei einigen Aktivitäten noch unseren Platz finden müssen, wie z.B. bei der Kinderbibelstunde, wo wir bis jetzt einfach nur mit dabei sind, aber nicht wirklich eine Aufgabe haben.

Das Einleben wurde vor allem durch unsere Ansprechpartnerin sehr schön gestaltet. Einmal wöchentlich treffen wir uns mit ihr zum „Acompañamento“, wo wir mit ihr über alles reden können. Und auch sonst ist sie immer für uns da und erreichbar. Die Kommunikation mit dem Pastor dagegen klappt leider nicht immer so gut. Anfangs war er bei dem Acompañamento auch mit dabei, aber dann hat er sich ziemlich zurückgezogen, und wir haben nicht wirklich das Gefühl, dass er sich sehr für uns und unsere Arbeit interessiert (mal abgesehen von der Arbeit in der Gemeinde). Unsere Ansprechpartnerin hat den gleichen Eindruck. Und das ist wirklich schade, denn mit der Einladung am ersten Tag zum Mittagessen und der Stadtrundfahrt, hatte es so vielversprechend angefangen. Mal abgesehen davon, dass wir uns mit den Sonntagspredigten nicht wirklich identifizieren können, fehlt irgendwie einfach das Persönliche. Mit seiner Frau dagegen ist es nach wie vor sehr angenehm. Wir sehen sie recht oft, wenn sie Wäsche in der Waschmaschine in der Küche wäscht und reden dann immer ein bisschen und sie zeigt wirklich Interesse.

Generell ist das Leben in der „Casa sémipublica“ (dem Gemeindehaus) eine Sache, an die man sich gewöhnen muss. Neben der Kommunikation mit dem Pfarrer klappt auch die Absprache zwischen den verschiedenen Gruppen und uns nicht immer. So kann es z.B. passieren, dass wir abends von der Arbeit wiederkommen und kochen wollen, aber die Küche blockiert ist. Wenn wir vorher Bescheid wissen, ist es kein Problem, denn wir wissen ja, dass wir die Küche mit der Gemeinde teilen. Aber in so einem Fall sind Absprachen unserer Meinung eben ziemlich wichtig. Aber abgesehen von der nicht immer stattfindenden Kommunikation im Gemeindehaus ist das Wohnen hier sehr angenehm. Die obere Etage haben wir für uns, jede Freiwillige hat eisnapchat-3160868662209204320n vergleichsweise großes Zimmer.  Und dann haben wir eine echt große Sonnenterrasse. Ich muss sagen, dass das mit Abstand das Beste an dem Wohnen hier ist. Beispielsweise haben wir die Tradition, sonntags immer zusammen auf der Terrasse in der Sonne zu frühstücken. Auch mit der Küche haben wir eigentlich ziemlich Glück, denn sie ist vergleichsweise echt gut ausgestattet (inklusive Nudelmaschine, Mixgerät, Standmixer, Töpfen diverser Größen,…). Und zu der Dusche muss ich sagen, dass ich mich nach den Aussagen der ehemaligen Freiwilligen auf das schlimmste gefasst gemacht hatte, und fast überrascht war, wie gut die „Lappen-so-deponieren-dass-kein-bzw-wenig-Wasser-aus-dem-Bad-läuft-Technik“ funktioniert. Und seitdem wir dauerhaft warmes Wasser haben (anfangs wussten wir nie, ob wir nun warm oder kalt duschen dürfen, weil es einen Wackelkontakt am Boiler gab), bin ich mit der Duschsituation doch relativ zufrieden.

Freizeittechnisch haben wir noch nicht alle unsere Pläne umgesetzt, die wir uns am Anfang vorgenommen hatten. Wir wissen, dass es hier tolle und v.a. kostenlose Sportangebote, aber bis jetzt kam immer etwas dazwischen, wie z.B. (ironischer Weise) die Gesundheit. Aber wir haben das feste Ziel, uns da demnächst mal bei einem Kurs anzumelden. Und wir werden im Sommer oft schwimmen gehen. Was wir regelmäßig zusammen  machen, ist, unsere freien Sonntagnachmittage an der Rambla zu verbringen, Mate zu trinken und die Seele baumeln zu lassen.

Un abrazo aus dem sonnigwarmen Mercedes!
Bis bald, Antonia

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Und es ist wieder Dienstag…

Dienstage unterscheiden sich insoweit von den anderen Arbeitstagen, dass ich mal nicht meinen insgesamt 12 km langen täglichen Arbeitsweg mit dem Fahrrad zu bewältigen habe. Anstatt mich zwischen dreiviertel und 10 vor 9 morgens auf mein Fahrrad zu schwingen, um zum Club de Niños zu fahren, kann ich ein bisschen länger schlafen und dann gemütlich kurz nach um 9 von Zuhause in Richtung Rambla loslaufen. Mein Ziel: Der Club de Remeros Mercedes, auf Deutsch: das Schwimmbad. Denn dienstags gibt es für die Kinder immer „Natación“, also Schwimmen.club-de-remeros

(Wobei ich das Wort ‚immer‘ berichtigen muss. Nur wenn gutes Wetter ist! Wenn schlechtes Wetter ist, trifft nämlich das Kinderschwund-Phänomen auf. Mal kommen 3, mal kommen 4 Kinder. Entsprechend fallen die Programmpunkte aus- aber dazu werde ich bestimmt noch einmal ausführlicher schreiben.)

Ungefähr viertel 10 trifft der erste kleine mit Kindern vollgestopfte Bus an. Sind alle Kinder ausgeladen, fährt der kleine Bus zurück und holt die zweite Fuhre ab.
(Also wie hier Fahrzeuge auf der Straße fahren, ist ja generell schon interessant. Um nur ein Beispiel zu nennen, ich kenne vielleicht 3 Personen, die sich anschnallen. Sonst ist das gar nicht üblich. Aber wie die Kinder in diesem Minibus fahren, finde ich schon krass! Vorne neben dem Fahrer gibt es zwei Sitze, wo erstaunlicherweise auch nur zwei Personen sitzen. Meistens eine Kollegin von mir und ein Kind. Hinter den vorderen Sitzen gibt es zwei Sitzbänke. Dahinter sind nochmal zwei quergestellte Sitzbänke, beide jeweils für 2 Personen. Anstatt aber nur mit dieser Kinderzahl hin und her zu fahren, werden die Kinder fast schon in dem Bus gestapelt. Sie scheinen es aber auch überhaupt nicht in Frage zu stellen. So nach dem Motto „Okay, bis jetzt sitzen 5 Kinder auf dieser Sitzbank. Ach komm, du passt da auch noch rein!“)
Sind alle Kinder angekommen, geht es in die Umkleideräume. Dann heißt es, ausziehen, Badesachen anziehen, Badeschuhe für den Weg ins Bad anziehen, abduschen und dann ins Wasser hüpfen. Im Schwimmbad gibt es zwei Becken, eins mit 6 Bahnen zum Schwimmen, und ein flacheres zum Schwimmen lernen  und Entspannen. Die Kinder sind in Nichtschwimmer und Schwimmer unterteilt, entsprechend sind einige im großen Becken, andere im kleinen. Dann haben alle Schwimmunterricht und die letzte Viertelstunde dürfen alle im kleinen Becken noch spielen. Nach ungefähr einer Stunde wird sich geduscht und dann wieder angezogen. Es ist wirklich niedlich, jedes Mal gibt es einen kleinen Wettstreit, ob die Jungen oder die Mädchen schneller mit dem Umziehen fertig sind. Dann geht es für die ganze Mannschaft noch auf den neben dem Schwimmbad gelegenen Spielplatz, wo es neben Rutsche, Schaukel und Klettermöglichkeiten auch Sportgeräte gibt, was ich persönlich ganz cool finde. Ich bin auch gerade dabei, den Mädels am Reck einige Elemente beizubringen und den Jungs am Barren das Schwingen. Zuerst gibt noch eine Kleinigkeit zum Essen, dann dürfen alle spielen und sich auspowern. spielplatzGegen 12 bewegt sich der kleine Bus wieder zweimal gefüllt mit Kindern zum Club de Niños, und ich kann wieder meine 5 Minuten Fußweg nach Hause antreten.
Am Nachmittag gehen die Kinder erst auf den Spielplatz. Wenn ich gegen 14 Uhr komme, spielen sie schon immer ganz fröhlich. Halb 3 geht es dann auch für die Nachmittagskinder eine Stunde schwimmen und danach direkt zum Club de Niños. Entsprechend sind Dienstage für mich auch in der Hinsicht entspannter, dass ich schon ungefähr eine Stunde eher Feierabend habe.

Generell ist es so, dass die Mitarbeiter vom Club de Niños  nicht mit ins Schwimmbad gehen, den Kindern nur beim Umziehen helfen und mit Duschbad und Shampoo von Dusche zu Dusche rennen, wenn die Kinder nach dem Schwiausenbereichmmen duschen. Während die Kinder im Bad sind, wird sich gemütlich je nach Wetterlage drinnen oder draußen hingesetzt, Mate getrunken und erzählt. Am Anfang wurde ich gleich gefragt, ob ich Lust habe, mit den Kindern mit schwimmen zu gehen. Klar hatte ich Lust! Der Haken war nur, dass man als weibliches Geschöpf dieser Erde nur mit Badeanzug (und Badekappe, welche ich aber ausleihen kann) das Schwimmbad betreten darf, und ich hatte nur zwei Bikinis mit. Aber da ich wirklich Lust hatte, einmal in der Woche schwimmen zugehen, es zudem kostenlos ist und ich wusste, wie sehr sich die Kinder darüber freuen würden, beschloss ich nach einem Badeanzug Ausschau zu halten. An einem freien Wochenende habe ich dann mit meiner Mitfreiwilligen einen im Terminal gekauft. Ich werde das Leuchten in den Augen der Kinder nie vergessen, als ich ihnen erzählt habe, dass ich jetzt einen Badeanzug habe und von jetzt an mit in die Piscina gehen kann.
Seit diesem Zeitpunkt gehe ich immer abwechselnd eine Woche morgens schwimmen, eine Woche nachmittags. Ich muss sagen, dass ich das Gefühl mit Badeanzug und Badekappe bewaffnet ins Wasser zu gehen, seit meinen Kindheitstagen wirklich nicht vermisst habe. Und leider kann ich auch das Wasser gar nicht so sehr genießen, weil es extrem warm ist. In dem Schwimmerbecken sind es laut Anzeige 31 Grad, das Nichtschwimmerbecken ist nochmal um einiges wärmer. Normalerweise liebe ich es ja, in angenehm kühles Wasser zu hüpfen und nicht in badewannenheißem Wasser Bahnen zu schwimmen. Einmal hatte ich danach ziemliche Kopfschmerzen und auch meinem Kreislauf schien es nicht ganz so gut zu tun. Als ich mich mal mit meinen Kollegen über die Wassertemperatur unterhaltem habe, meinte sie, dass das wärmere von den beiden Becken mit Thermaldämpfen wäre- das erklärt auch die Hitze. Bis jetzt war es auch leider erst einmal so, dass ich in meinem Tempo schwimmen und richtig abschalten konnte. Normalerweise ist das recht schwer, wenn 20 Kinder um dich herumtoben und langsam planschend vor sich hin dümpeln. Trotzdem gehe ich nach wie vor jede Woche einmal mit. Zum einem, weil ich so einmal in der Woche duschen kann, ohne danach aufwischen zu müssen. Aber vor allem, weil ich sehe, wie sehr sich die Kinder darüber freuen und es vor allem in der Spielviertelstunde genießen, sich von mir quer durch das Becken ziehen oder ins Wasser schmeißen zu lassen- da nehme ich das warme Wasser sowie Badeanzug und Badekappe schon mal in Kauf!

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